CiF Kompetenz-Zentrum für interdisziplinäres Flächenrecycling & erneuerbare Energien e. V.
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Forum für Zukunftsenergien - 43. Sitzung des Arbeitskreises Zukunftsenergien
"Das Energiekonzept der Bundesregierung aktueller Zwischenstand"

Berlin, 7. Juli 2010, 13:00 - 18:00 Uhr

Teilnehmer: Prof. Herbert Klapperich, Dr. Claudia Werner

Aktuelles Programm

13:00 Uhr Mittagessen
14:00 Uhr
  • Begrüßung und Bericht aus dem Forum für Zukunftsenergien
    Dr. Annette Nietfeld Geschäftsführerin, Forum für Zukunftsenergien e. V.
  • Einführung in das Thema und Moderation
    Dr. Frank-Michael Baumann, Vorsitzender des Arbeitskreises Zukunftsenergien Geschäftsführer, EnergieAgentur.NRW
14:15 Uhr
  • Der Zwischenstand des Energiekonzeptes der Bundesregierung
    MinDir Werner Ressing, Leiter der Abteilung Industriepolitik, Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie
  • Statements
    • Prof. Dr. Georg Erdmann, TU Berlin, Institut für Energietechnik, Leiter des Fachgebietes Energiesysteme
    • Prof. Dr. Hermann-Josef Wagner, Vorsitzender der VDI-Gesellschaft Energie und Umwelt
    • Prof. Dr. Alfred Voß, Universität Stuttgart, Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung
16:00 Uhr Kaffeepause
16:30 Uhr Podiumsdiskussion mit Abgeordneten des Deutschen Bundestages und anschließende Diskussion mit dem Auditorium
  • Dirk Becker, MdB SPD-Bundestagsfraktion
  • Klaus Breil, MdB FDP-Bundestagsfraktion
  • Eva Bulllng-Schröter, MdB Bundestagsfraktion Die Linke
  • Hans-Josef Fell, MdB Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
18:00 Uhr Ende der Veranstaltung

Pressenotiz

Forum für Zukunftsenergien
Nr. 11/10 vom 09.07.2010

Das Energiekonzept der Bundesregierung - aktueller Zwischenstand

Berlin. Die Sitzung des "Arbeitskreises Zukunftsenergien" unter dem Vorsitz von Dr. Frank-Michael Baumann widmete sich dem aktuellen Zwischenstand des Energiekonzepts der Bundesregierung, das voraussichtlich im Herbst 2010 verabschiedet wird. Nach dem Statement von einem Vertreter des Bundeswirtschaftsministeriums folgten Ausführungen aus technischer, systemanalytischer und energiewirtschaftlicher Sicht.

Zu Beginn der Veranstaltung präsentierte Herr Ministerialdirektor Werner Ressing (Abteilungsleiter Industriepolitik im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie) den aktuellen Stand des neuen Energiekonzeptes der Bundesregierung. Demnach werden die Eckpunkte des Konzepts, das unter der gemeinsamen Federführung vom Bundeswirtschafts- und Bundesumweltministerium erarbeitet wird, Ende September dem Kabinett vorgelegt und im November verabschiedet werden. Ziel sei es, szenarienbezogene Leitlinien für eine saubere, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung bis 2050 zu formulieren. Ausgangspunkt seien die Vorgaben aus dem Koalitionsvertrag, wonach das Energiekonzept marktorientiert und technologieoffen sein solle; erneuerbare Energien den Hauptteil an der Energieversorgung übernehmen und Kernenergie sowie Kohle eine Brücke auf dem Weg dahin bilden sollen. Die Szenarien werden zurzeit von den wissenschaftlichen Instituten Prognos, EWI und GWS errechnet. Die Zielszenarien rechneten die beauftragten Institute mit verschiedenen Laufzeitvarianten der Kernkraftwerke (4, 2, 20, 28 Jahre); alle Szenarien gingen von 85 % Reduktionen an durch die Energieerzeugung bedingten Emissionen bis zum Jahr 2050 aus. Die zentrale Frage sei, wie eine sichere und bezahlbare Energieversorgung auch bei ehrgeizigen Klimaschutzzielen garantiert werden könne. Die ökonomische Analyse solle dafür ein "Preisschild" liefern. Ressing betonte, dass das Energiekonzept kein Kernenergiekonzept sei. Die Entscheidung über längere Laufzeiten für Kernkraftwerke sei eine politische und müsse parallel zum Energiekonzept angegangen werden. Das Energiekonzept sei hingegen viel breiter angelegt und beachte die Herausforderungen resultierend aus dem Blick auf alle Sektoren (Strom, Wärme und Verkehr).

Nach der Präsentation von Herrn Ressing folgten wissenschaftliche Statements zum Energiekonzept der Bundesregierung. Herr Prof Dr. Georg Erdmann (Leiter des Fachgebietes Energiesysteme an der Technischen Universität Berlin) setzte sich in seinem Vortrag mit Fragen des Energieträger- und Technologie-Mixes, der finanziellen Ebene, des Wettbewerbs und der Verteilung auseinander. Er kam zu dem Schluss, dass durch quantitative Ziele der Bundesregierung (20-20-20-Ziel der EU; IEKP-Programm der Bundesregierung) weder staatliche Leitplanken geschaffen, noch Planungssicherheit geboten werde. Herr Prof. Erdmann stellte auch in Frage, ob die Koordination der Energieversorgung durch staatliche Investitionen anstelle der Märkte und angesichts der Vielzahl von Institutionen funktioniert.

Professor Dr. Hermann-Josef Wagner (Vorsitzender der VDI-Gesellschaft Energie und Verkehr) benannte die Ziele und den Handlungsbedarf für eine CO2-arme Energieversorgung und -nutzung in Deutschland. Er plädierte dafür, Ziele zu setzen, statt einen Energie- und Technologiemix über Jahrzehnte vorzugeben. Ziele dürften nicht nur die Klimagasminderung sondern müssten ebenso die Versorgungssicherheit und die Wirtschaftlichkeit sein. Zur Erreichung dieser Ziele seien erneuerbare Energien wichtig; fossile Energien müssten weiterhin Bestandteil des Energiemixes sein. Auch die Kernenergie könne zur Erfüllung der Ziele beitragen, wenn sie akzeptiert wird. Nach der Auffassung von Professor Wagner sei eine "Entcarbonisierung" und Nachhaltigkeit nur mit technischen Lösungen zu erreichen, die eine breit angelegte (Vorsorge-)Forschung erforderten.

Professor Dr. Alfred Voß (Leiter des Instituts für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung der Universität Stuttgart) formulierte in seinem Vortrag die wesentlichen Anforderungen an ein energiepolitisches Gesamtkonzept. Zum einen seien funktionierende und wettbewerbliche Energiemärkte zu schaffen bzw. zu sichern. Zum anderen sei eine am Verursacherprinzip orientierte Internalisierung externer Kosten der Nutzung von Umweltressourcen wichtig. Darüber hinaus sei eine breit angelegte Forschung und Entwicklung sicher zu stellen, um neue tragfähige Optionen für eine nachhaltige Energieversorgung verfügbar zu machen. Er plädierte außerdem für eine Unterstützung neuer marktnaher Energietechniken, sofern die Wettbewerbsfähigkeit mit vertretbarem Aufwand zu erreichen sei.

In der anschließenden Podiumsdiskussion bezogen die Bundestagsabgeordneten Klaus Breil (FDP), Dirk Becker (SPD), Eva Bulling-Schröter (Die Linke) und Hans-Josef Fell (Bündnis 90/Die Grünen) Position.

Die Präsentationen der Vortragenden stehen auf der Homepage des Forum für Zukunftsenergien zum Download bereit. Das Forum für Zukunftsenergien bedankt sich bei der Deutsche Bank AG und der Vattenfall Europe AG sehr herzlich für die Unterstützung des Arbeitskreises Zukunftsenergien.

Über das Forum für Zukunftsenergien e. V.

Das Forum für Zukunftsenergien ist die einzige branchenneutrale und parteipolitisch unabhängige Institution der Energiewirtschaft im vorparlamentarischen Raum in Deutschland. Der eingetragene Verein setzt sich für erneuerbare und nicht-erneuerbare Energien sowie rationale und sparsame Energieverwendung ein. Ziel ist die Förderung einer sicheren, preisgünstigen, ressourcen- und umweltschonenden Energieversorgung. Der Verband hat ca. 200 Mitglieder aus der Industrie, der Energiewirtschaft, Verbänden, Forschungs- und Dienstleistungseinrichtungen sowie Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung.

Kontakt: Katja Freitag (freitag[at]zukunftsenergien.de, www.zukunftsenergien.de)

Bericht

von Prof. Dr. H. Klapperich

Prof. Wagner, RUB & Vorsitzender der VDI-gesellschaft Energie und Umwelt, brachte die aktuelle VDI-Stellungnahme zu "Klimaschutz und Energiepolitik: Ziele und Handlungsbedarf für eine CO2-arme Energieversorgung und -nutzung in Deutschland" mit und erläuterte die Stellungnahme von 14-tausend Energie-Ingenieuren.

In einem Statement betonte Prof. Wagner die Rolle und Relevanz von Szenarienberechnungen zu den möglichen Anteilen in Energiemix perspektivisch. Die Modelle zu berechnen mit gesetzten Annahmen steht aber eine technisch machbare Umsetzung "gegenüber". Er mahnt die Aspekte "Versorgungssicherheit" und "Risiken" immer mit einzupflegen.

Zur Energieforschung hob er die vorrangige Forschungsaufgabe der Entwicklung von leistungsfähigen und kostengünstigen Energiespeichern sowohl für Elektrizität als auch für Wärme hervor - ihre Verfügbarkeit ist eine Schlüsselgröße in einer zukünftigen Energieversorgung. Generell fordert Prof. Wagner die Technikoffenheit im System bei der Energieforschung.

Die angesprochenen "Studien" beziehen sich wohl auf das am 7. Juli vom Präsidenten des UBA, Jochen Flasbarth vorgestellte, in dem das Umweltbundesamt den Umbau der Stromversorgung bis 2050 auf "vollständig aus erneuerbaren Energiequellen decken, und zwar ohne dafür unvertretbare ökologische Folgeschäden in Kauf zu nehmen" erläutert.

Zwei weitere aktuelle Studien liegen vor vom Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) und dem Forschungsverbund Erneuerbare Energien (FVEE).

Der zentrale Punkt hierbei stellt das Stromnetz und dessen Aus- und Umbau dar. Hintergrund hierzu sind die Anforderungen einer fluktuierenden Stormerzeugung.

Das "smart grid" stellt aber eine wesentliche Zukunftsaufgabe dar - Basisstichworte hierzu:

  • dezentrale Erzeugungsstruktur
  • negativer Strompreis
  • Grundlast-Sockel (bei den Erneuerbaren Wasserkraft & Geothermie)

 

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Stand: 08.07.2010