CiF Kompetenz-Zentrum für interdisziplinäres Flächenrecycling & erneuerbare Energien e. V.
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Informationen zur
VDI-Stellungnahme "Ziele und Handlungsbedarf für eine CO2-arme Energieversorgung und -nutzung in Deutschland"

Teil A: Zusammenfassung

Der Verein Deutscher Ingenieure, in dem 139.000 Fachleute aus Wissenschaft und Technik zusammen geschlossen sind, unterstützt die Bemühungen der Bundesregierung, beim Klimaschutz eine technische Vorreiterrolle zu übernehmen. In Deutschland sind rund 90 % der CO2-Emissionen energiebedingt. Klimaschutz bedeutet deshalb vor allem eine Neuausrichtung der zukünftigen Energiepolitik. Der VDI setzt sich zur Aufgabe, diese aktiv und maßgebend mit zu gestalten. Das vorliegende Positionspapier soll in der politischen Debatte Orientierung geben und den Handlungsbedarf aufzeigen.

Der VDI sieht Klimaschutz und die Anpassung an die Folgen des Klimawandels als eine internationale Aufgabe. Mit seinem Anteil von jeweils 3 % am weltweiten Energieverbrauch und an den globalen CO2-Emissionen kann Deutschland eine Vorreiterrolle übernehmen, den Trend zunehmender Treibhausgase aber allein nicht umkehren. Als eine auf dem Gebiet der Energietechnik führende Industrienation kann es jedoch über den Export hocheffizienter Energie- und Umwelttechnik sowie energieeffizienter Investitions- und Konsumgüter maßgeblich Einfluss auf den weltweiten Energieverbrauch und die CO2-Emissionen nehmen. Der VDI sieht darin eine große Chance für die deutsche Wirtschaft und für weiteres Wirtschaftswachstum.

Der VDI empfiehlt, ambitionierte Ziele für die Klimagasreduktion und die Senkung des Energieverbrauchs vorzugeben, aber keinen bestimmten Technologiemix festzuschreiben. Die Erreichung der Ziele muss technikoffen sein, denn niemand kann die technischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen über Jahrzehnte verlässlich vorhersagen. Das Energiesystem muss so flexibel gestaltet werden, dass es sich an unerwartete neue Bedingungen anpassen kann. Der VDI empfiehlt die Entwicklung einer Vielzahl von Technologien, die zusammen einen Beitrag zur Lösung der Probleme erkennen lassen, auch wenn sie gegenüber der heutigen Technik noch nicht wirtschaftlich sind.

Der VDI warnt vor einer einseitigen Konzentration auf die Klimagasminderung. Ressourcenschonung im weitesten Sinn, Reinhaltung der Luft und die ausreichende Versorgung mit Nahrungsmitteln und Wasser sind weltweit ebenso drängende Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte wie der Klimaschutz. Die Problemlösungen in diesen Bereichen werden die globalen Umweltbelastungen, Energie- und Ressourcenbedarfe genauso nachhaltig beeinflussen wie das enorme Wirtschaftswachstum der Schwellenländer. Grundlage für alle Maßnahmen muss daher ein noch zu entwickelndes deutsches Energiekonzept sein, das auf den Säulen Klima- und Umweltschutz, Versorgungssicherheit und preiswerte Energieversorgung basiert.

Die bis zum Jahr 2050 von der Bundesregierung angestrebte Halbierung der CO2-Emissionen in Deutschland stellt sich unter heutigen Randbedingungen (Energiepreise, Kosten) nicht von alleine ein. Staatliche Maßnahmen und Anreize sind insbesondere bei der Entwicklung von Energiespeichern und effizienten Energietechniken sowie neuen Antriebstechniken im Verkehrsbereich, beim Ausbau erneuerbarer Energien und bei der Reduzierung des Wärmebedarfs im Gebäudebereich, wo über 90 % aller Gebäude wärmetechnisch saniert werden müssen, erforderlich. Der VDI fordert deshalb eine Stärkung der Energieforschung und Anreize zur Sanierung von Gebäuden.

Der VDI sieht erneuerbare Energien als einen wichtigen Bestandteil klimafreundlicher Energieerzeugung. Ihr Einsatz unterstützt die verantwortungsvolle und in zunehmendem Maße geringer werdende Nutzung fossiler Energieträger sowie der Kernenergie. Die Förderung der Entwicklung und Markteinführung neuer Technologien zur Energieerzeugung betrachtet der VDI solange als sinnvoll, wie damit das Ziel verfolgt wird, diese so schnell wie möglich zur Wirtschaftlichkeit zu führen.

Der VDI hält unter Berücksichtigung von wirtschaftlichen und technischen Aspekten bis Anfang der Zwanziger Jahre einen Anteil aller erneuerbaren Energien von bis zu 30 % an der Stromerzeugung für realisierbar. Das Ziel, den Strombedarf in Deutschland ganz oder überwiegend durch erneuerbare Energien decken zu können, lässt sich nach Ansicht des VDI nicht innerhalb weniger Dekaden realisieren.

Szenariorechnungen des VDI haben ergeben, dass die Halbierung der CO2-Emissionen bis 2050 sowohl mit als auch ohne Kernenergie erreichbar ist. Der VDI empfiehlt bei ausreichender Akzeptanz in der Bevölkerung eine weitere Kernenergienutzung. Sie erleichtert die Erreichung ambitionierter Klimaschutzziele und hilft, die Kosten zur CO2-Minderung gering zu halten. Der VDI sieht keine Konflikte zwischen der weiteren Nutzung der Kernenergie und dem Ausbau erneuerbarer Energien, da die Gewinnung von Strom aus erneuerbaren Energien gesetzlichen Vorrang hat.

Fossile Energieträger werden auch in Zukunft noch eine wichtige Rolle spielen. Wie lange sie zur Sicherung der Energieversorgung in welcher Höhe erforderlich sind, ist heute nicht seriös vorauszusagen. Ziel muss es deshalb sein, die Wirkungsgrade der Kohle- und Gaskraftwerke weiter zu steigern, um ihren Einsatz klimaverträglich verantworten zu können. Parallel dazu spricht sich der VDI für die Entwicklung von Verfahren zur Abscheidung und Speicherung von CO2 (CCS-Technologien) aus.

Die Politik muss bei der Bevölkerung Akzeptanz für den erforderlichen Bau neuer Energieanlagen schaffen. Es muss erreicht werden, dass Pilotanlagen nicht als Festlegung des zukünftigen Energiewegs gesehen und abgelehnt werden.

Der VDI empfiehlt, bei neuen Antriebskonzepten im Verkehr sich nicht einseitig auf den Elektroantrieb festzulegen. Ob sich die Ziele zur Einführung von Elektrofahrzeugen verwirklichen lassen, hängt nach Meinung des VDI davon ab, ob die Steigerung der Leistungsfähigkeit der Batterien bei gleichzeitiger Gewichtsreduzierung mindestens um das Dreifache erhöht werden kann. Auch im Verkehrsbereich sollte die Politik deshalb nur Ziele vorgeben, den technischen Weg zu deren Erreichen aber offen lassen, um alle aussichtsreichen Möglichkeiten weiter verfolgen zu können.

Der VDI hält im industriellen Bereich aufgrund neuer effizienter Technologien und Verfahren eine deutliche Senkung der Treibhausgase für erreichbar. Steigende Energiepreise und internationaler Wettbewerbsdruck beschleunigen die Innovation.

In der Herausforderung, die zukünftige Energiewelt neu zu gestalten, sieht der VDI ein faszinierendes und anspruchsvolles Arbeitsfeld für die kommende Generation von Ingenieurinnen und Ingenieuren und die Chance, neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Teil B: Stellungnahme

1. Herausforderung Klimawandel

2. Orientierung und Ziele

3. Erreichbare CO2-Minderungen

4. Handlungsbedarf

Um die von der Politik vorgegebenen Treibhausgasminderungen und die weiteren vorhin genannten Ziele für ein langfristiges Energiekonzept umzusetzen, sieht der VDI Handlungsbedarf in den nachfolgenden Feldern. Er wurde unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Szenariorechnungen aus der fachlichen Bewertung einzelner Techniken und ihrer Entwicklungsmöglichkeiten sowie dem technischen Innovationspotenzial abgeleitet.

4.1 Energieversorgung

Neues Energiekonzept

Die Politik muss in diesem Jahr ein umfassendes und schlüssiges Energiekonzept auf den Säulen Klima- und Umweltverträglichkeit, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit entwickeln. Das Konzept muss Ziele vorgeben darf aber keinen Technologiemix festlegen oder einzelne Techniken bevorzugen. Es sollte alle Verbrauchssektoren einbeziehen und sowohl effiziente Energieanwendung als auch Energiebereitstellung umfassen. Da fossile Energien und Kernenergie noch so lange genutzt werden müssen, bis sie durch andere Energieträger ersetzt werden können, sollte Deutschlands umfangreiche und fortschrittliche Technologiepalette in einem breiten Mix an Energieträgern berücksichtigt und in Richtung Klimaverträglichkeit optimiert werden. Energiepolitik muss technikoffen und wettbewerbsorientiert gestaltet werden.

Erneuerbare Energien

Erneuerbare Energien sind ein wichtiger Bestandteil klimaverträglicher Energieerzeugung, und ihr Einsatz unterstützt die verantwortungsvolle und in zunehmendem Maße geringer werdende Nutzung fossiler Energieträger sowie der Kernenergie. Die Förderung der Entwicklung und Markteinführung neuer Technologien zur Energieerzeugung ist sinnvoll. Das Ziel dabei muss aber sein, sie so schnell wie möglich zur Wirtschaftlichkeit zu führen. Leistungsverbesserungen müssen daher Voraussetzung für fortgesetzte Förderung sein. Bei etablierten Technologien ist eine degressive Gestaltung der Einspeisevergütung erforderlich, um Innovationen voranzutreiben, Verbraucher zu entlasten und die Voraussetzung für die internationale Kostenführerschaft deutscher Anbieter zu schaffen. Der VDI hält unter Berücksichtigung von wirtschaftlichen und technischen Aspekten bis Anfang der Zwanziger Jahre einen Anstieg des Anteils aller erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung von heute etwa 16 % auf bis zu 30 % für realisierbar.

Die weitere Zunahme des Anteils von erneuerbaren Energien auf Basis der fluktuierenden Energieträger Wind und Photovoltaik an der Stromerzeugung erfordert deutlich höhere Flexibilitäten des restlichen Kraftwerksparks als bisher, da das Grundlastband reduziert werden wird. Das Ziel, den Strombedarf in Deutschland ganz oder überwiegend durch erneuerbare Energien decken zu können, ist zwar rechnerisch unter Einbeziehung von Lastmanagement in großem Ausmaß (z. B. Elektroautos) und bei europaweitem Stromaustausch möglich. Der VDI sieht diese Zielsetzung aber in der praktischen Verwirklichung innerhalb weniger Dekaden als unrealistisch an, da sie mit hohen Kosten und erheblichen Vorleistungen beim Verbrauch verbunden ist. Dazu müssen europaweit die Bedingungen geschaffen werden, sowohl technisch, z. B. durch den Bau neuer Hochspannungsleitungen, als auch rechtlich zwischen den Staaten des Mittelmeerraums.

Fossile Energieträger

Die fossilen Energieträger Mineralöl, Erdgas und Kohle decken heute sowohl weltweit als auch in Deutschland etwa 80 % der Energieversorgung ab. Der Sektor Energiewirtschaft verursacht gut 50 % der energiebedingten Emissionen in Deutschland. Fossile Energien werden auch in Zukunft, wenn auch in abnehmendem Maß, noch eine wichtige Rolle im Energiemix international und national spielen. Wie lange, auch in Deutschland, fossile Energien noch zur Sicherung der Energieversorgung in welcher Höhe erforderlich sind, ist heute seriös nicht vorherzusagen. Ziel muss es deshalb sein, die Wirkungsgrade der Kohle- und Gaskraftwerke weiter zu steigern, um ihren Einsatz klimaverträglich verantworten zu können. Parallel dazu sollte die Entwicklung modernster Technologie zur Abscheidung und Speicherung von CO2 (CCS-Technologien) vorangetrieben werden. Dazu müssen auch weitere Pilotanlagen gebaut werden. Die Politik muss in der Bevölkerung um Akzeptanz für diese neue Technologie werben. Das geplante CCS-Gesetz, das einen verlässlichen Rahmen schafft, sollte in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden.

Kernenergie

Das Minderungsziel für CO2 von 50 % bis 2050 ist mit und ohne Kernenergie zu ereichen. Die CO2-freie Kernenergie sollte alleine unter dem Aspekt, aus Wettbewerbsgründen die Stromerzeugungskosten so niedrig wie möglich zu halten, Bestandteil eines umweltverträglichen und zukunftsfähigen Energiemixes sein. In welchem Umfang die Kernenergie weiter genutzt werden sollte, richtet sich zum einen danach, wie schnell andere kostengünstige, CO2-freie oder -arme Energiequellen entwickelt und ausgebaut werden können, und zum anderen, ob für ihre Nutzung eine ausreichende Akzeptanz gegeben ist. Die Arbeiten zur Lösung der Endlagerproblematik müssen vorangetrieben werden. Eine Laufzeitverlängerung sicherheitstechnisch hochstehender Kernkraftwerke erleichtert die Erreichung ambitionierter Klimaschutzziele und hilft, auch die Kosten zur CO2-Minderung gering zu halten. Der VDI sieht keine Konflikte zwischen der weiteren Nutzung der Kernenergie und dem Ausbau und der Nutzung erneuerbarer Energien, da der Strom aus erneuerbaren Energien gesetzlichen Vorrang hat.

Akzeptanz neuer Anlagen

Der VDl sieht es als dringlich an, die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass die Umstrukturierung bei gesicherter preiswerter Energieversorgung in der Übergangsphase der Energieversorgung nur gelöst werden kann, wenn heute neue Anlagen z. B. Kraftwerke, sowohl auf regenerativer als auch fossiler Basis, gebaut werden können. Der Ersatz alter Anlagen durch modernere führt zu einer Erhöhung der Energieeffizienz und bei fossil betriebenen Anlagen damit auch zu einer Minderung der CO2-Emissionen von 20 % und mehr. Bei Prototypanlagen muss der weit verbreiteten und falschen Einschätzung entgegengetreten werden, dass jede Pilotanlage gleich den Weg der Energieversorgung vorgibt und alle anderen Alternativen ausschließt. Diese Forderung gilt hinsichtlich aller Energieanlagen gleichermaßen, sei es Windenergie oder CCS.

4.2 Industrie

4.3 Gebäude

  • Wärmebedarf
  • Wärmeversorgung

4.4 Antriebstechniken für den Straßenverkehr

4.5 Energieforschung

 

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Stand: 08.07.2010